Martinushaus
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Der heilige Martin von Tours

Patron der Stadt Aschaffenburg und des Martinushauses

Das Aschaffenburger Stadtwappen zeigt Martin von Tours als thronenden Bischof und verweist damit darauf, dass der hl. Martin Patron der Stadt wie auch des Erzbistums Mainz ist, zu dem Aschaffenburg jahrhundertelang gehörte. Aus dem Leben Martins ist jedoch vor allem die Szene bekannt, in der der Heilige seinen Mantel teilt und die Hälfte davon einem frierenden Bettler reicht. Obwohl sich diese Begebenheit vor fast 1700 Jahren zugetragen hat, sind wir über die Biographie von „Sankt Martin“ vergleichsweise gut informiert.

Martin wurde im Jahr 316 oder 317 im heutigen Szombathely (Ungarn) geboren, das damals zur römischen Provinz Pannonien gehörte. Er war der Sohn eines römischen Beamten aus Pavia in Oberitalien und ist auch in seiner Vaterstadt aufgewachsen. Mit 15 Jahren trat Martin in die römische Armee ein und diente in der kaiserlichen Garde in Gallien. In diesen Jahren spielte sich die berühmte Szene am Stadttor von Amiens ab, als er seinen Soldatenmantel mit einem frierenden Bettler teilte. Mit 18 Jahren ließ sich Martin taufen, verließ ein Jahr später die Armee und wurde Schüler des Bischofs Hilarius von Portiers. Nach vergeblichen Missionsversuchen lebte er einige Jahre als Einsiedler und gründete schließlich 361 eine Mönchssiedlung in der Nähe von Portiers: daraus entwickelte sich das erste Kloster im Abendland. Zehn Jahre später rief ihn das Volk zum Bischof von Tours aus. In dieser Position widmete er sich erneut der Missionierung der ländlichen Gebiete Galliens, predigte in Paris und besuchte auch zweimal Trier. Auf einer Seelsorgsreise starb Bischof Martin am 8. November 397.

„Sankt Martin“ zählt auch heute noch zu den bekanntesten Heiligen des Jahres. Beliebt sind vor allem die Martinsumzüge mit Laternen und Lampions, manchmal verbunden mit der szenischen Darstellung der Mantelteilung. Sie gehen zurück auf das Evangelium in der Meßfeier am Martinstag. Bis zur Liturgiereform vor wenigen Jahrzehnten wurde nämlich eine Stelle aus dem Lukasevangelium vorgelesen: „Niemand zündet ein Licht an und stellt es unter einen Eimer, sondern auf einen Leuchter, damit es alle sehen.“



Szene vor dem Stadttor von Amiens: Sankt Martin teilt seinen Mantel mit einem frierenden Bettler.
Zeitgenössische Ikone von Abraham Karl Selig, Feldkirch/Vorarlberg

Martinsgans und Martinstanz, beide auch heute noch im Brauchtum verwurzelt, haben mit Martin allerdings nicht direkt zu tun. Vielmehr markiert der 11. November den Beginn einer großen vierzigtägigen Fastenzeit vor dem Fest Epiphanie am 6. Januar. Diese Fastenzeit wurde in Gallien schon zu einer Zeit gehalten, als es das Weihnachtsfest am 25. Dezember noch nicht gab und man stattdessen am 6. Januar der Geburt und der Taufe Jesu gedachte. Zählt man von Epiphanie vierzig Tage zurück und läßt dabei die fastenfreien Sonntage und Samstage aus, gelangt man zum 12. November, der damit der erste Fasttag war. Wen wundert es, wenn am Tag zuvor nochmal richtig gefeiert wurde, mit gutem Essen, Musik und Tanz. Und daß am 11. 11. um 11.11 Uhr die närrische Jahreszeit beginnt, verrät die Parallele zur „Fastnacht“ vor dem Aschermittwoch; beidemale beginnt die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf ein großes Fest.

Das Martinushaus ehrt den Patron der Stadt Anfang November traditionell mit einem festlichen Gottesdienst in der St.-Agatha-Kirche.

Weitere Informationen zu Martin von Tours erhalten Sie beispielsweise unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.heiligenlexikon.de oder auf der umfangreichen Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterMartinspage des Erzbistums Köln.



Bronze-Plastik im Innenhof des Martinushauses
„Martinus II“ von Rainer Stoltz 2004-2006


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